es ist was es ist - Weiter gehts!

es ist was es ist - Ausstellung im April 2012

Benni auf dem Startblock im Schwimmbad
Benjamin

Benjamin war 11 Jahre alt als der Krebs diagnostiziert wurde. Acht Wochen später war sein Unterschenkel amputiert. Er ist nicht mehr krank, sagt er. Er geht seinen Weg.

Am Abend im Schullandheim steht „Duschen“ auf dem Programm. Die Mädchen stehen plappernd vor der Tür bis die Jungs rauskommen. Mitten drin Benjamin, mit dem Handtuch um die Hüften geschwungen. Wie alle anderen albert auch er mit den Mädchen herum. Er geht an Krücken und hat einzig die Sorge, dass sein Handtuch aufgeht. Sein Freund Christopher geht hinter ihm, denkt nicht an seine Blöße, sondern stolziert mit geschwelter Brust, seine Trophäe im Arm wie einen Schatz tragend.

Er wusste um die bewundernde Blicke der Mädchen, denn nicht jeder durfte das Bein tragen. Als Mutter eines Mitschülers begleitete ich die Klassenfahrt der 6a als Betreuerin. Ich sah diese Situation und war berührt. Benjamin war noch nicht lange wieder zurück aus dem Krankenhaus, wo ihm der Unterschenkel amputiert wurde um den Krebs zu stoppen. In seiner alten Schule wiederholte er nun das verpasste Schuljahr und fühlt sich wohl, denn er kennt seine Mitschüler von früher und ist nach wie vor einer von ihnen. Das habe ich in diesem Moment vor dem Bad im Schullandheim erleben dürfen und die Idee zu dieser Fotoserie war geboren.

Seit 2008 traf ich die beiden immer wieder und begleitete sie fotografisch ein Stück ihres Weges. Irgendwann stand nicht mehr die Behinderung im Mittelpunkt der Fotografien sondern der Spaß am Experimentieren. So entstanden Bilder in einer alten russischen Kaserne bei Berlin. Benjamin gab sein erstes Konzert auf einer Theaterbühne. Der Mangel an Publikum war kein Hinderungsgrund Spaß zu haben. Im Schwimmbad war kein Wasser, das hinderte die Jungs aber nicht daran sich auszutoben. Egal wie die Umstände sind – mach das Beste draus!

Die Bilder mit und über Benjamin sind für mich eine (fotografische) Bereicherung aber auch eine große Herausforderung. Der Umgang mit behinderten Menschen scheint kompliziert und man ist voller seltsamer Moralvorstellungen - schließlich ist man selbst ja “anders”. Ich wollte keine schweren Bilder mit Zeigefinger und schlechtem Gewissen produzieren, sondern Bilder die Spaß und Mut machen. Denn das Leben geht so wie man es sich macht!

Es ist was es ist.

Die Gemeinschaftsausstellung unseres Wochenend-Jahres-Seminars an der Ostkreuzschule für Fotografie fand in der aff-Galerie vom 14. April - 6. Mai 2012 statt. Unsere Seminarleiterin war Katharina Mouratidi.

Die Webseite zur Ausstellung "Randbemerkungen" findet ihr hier.